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Christian von Treskow | offener brief der ensembles an OB jung
 
 

Am 21.12.2009 schrieben die Ensemblemitglieder der Wuppertaler Bühnen einen offenen Brief an den Oberbürgermeister der Stadt:

"Sehr geehrter Herr Jung.
Wissen Sie, was ein Damoklesschwert ist?
 
Jawohl, genau das, was Sie bei der Vorstellung des HSK am 17.11.09 der Presse in die Feder diktiert haben : "lch kann mir durchaus vorstellen, dass die Einsparung dazu führt, die Sparte Schauspiel aufzugeben."
(WZ vom 18.11.)

Das ist ein DAMOKLESSCHWERT !

Und es hängt seither über uns, den Wuppertaler Bühnen und insbesondere dem Schauspielensemble. Drei Premieren haben wir seitdem unter Schock herausgebracht, die Probenarbeiten für die nächsten Stücke haben begonnen...

Sehr geehrter Herr Jung. Die Aufgabe der Sparte Schauspiel wird im HSK mit keinem Wort erwähnt. Eine solche Äusserung zu einem solchen Zeitpunkt kann nicht nur lhre private Meinung über unsere Arbeit zum Ausdruck bringen, sondern muss in der Stadt und darüber hinaus als offizielle Willensbekundung eines politisch Verantwortlichen interpretiert werden.
Wir können nicht verstehen, wie Sie ein solches Vorpreschen mit lhrer Verpflichtung als Aufsichtsratsvorsitzender der Wuppertaler Bühnen in Übereinstimmung bringen können! Das müsste ein herber Gewissenskonftikt sein.

Wir sind die Künstler. Unsere Verträge schützen uns nicht ausreichend; man kann uns leicht vor die Tür setzen.
Aber wir verstehen uns nicht nur als Ausübende einer Kunstgattung, sondern auch als Kulturschaffende:
THEATER schafft etwas, was nur Theater schaffen kann.
THEATER schafft eine emotionale und intellektuelle Auseinandersetzung mit Themen dieser Zeit in einem der wenigen verbliebenen öffenttichen Räume der Stadt, dem STADT-THEATER.
Die Äusserungen von Kopf und Körper über die Rampe zu tragen, ist unser Wirken.
Das Tanztheater der Pina Bausch hat in unnachgiebiger Weise den Tanz theatraI gemacht hat und damit einzigartige Werke geschaffen. DasTanzTHEATER wurde zum Botschafter Wuppertals in der Welt. Aber mit Pina ist tragischerweise auch der lmpuls der Neuerung gestorben.
Wenn Sie nun drei Monate nach Beginn einer neuen Ara des Schauspiels in Wuppertal solche Sparvorschläge machen, verkennen Sie das hohe künstlerische und kommunikative PotentiaI dieses Neubeginns, welches für die Stadt in Zukunft profitgebend sein könnte.
Allein schon lhr Votum gegen das Schauspiel in Wuppertal ist ein solcher Affront gegen die neue Mannschaft, dass es uns erstmal die Sprache verschlagen hat. Wir haben unsere Arbeit getan und werden sie weiter tun.
Und werden darüberhinaus alles Erdenkliche veranstalten, um dieses DAMOKLESSCHWERT nicht niedersausen zu lassen.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister. Dass viele Kommunen (vor allem in NRW) die ihnen von der Bundespotitik und der Wirtschaftskrise aufgebürdeten Lasten nicht tragen können, ist offensichtlich und muss offensiv diskutiert werden.
Wenn Sie Möglichkeiten sehen, wie wir gemeinsam eine lnitiative zum Schutz der (ohnehin geringen) Kulturausgaben vor dem Zugriff der Sparkommissare starten können, wollen wir gerne an lhrer Seite kämpfen.
Die Wuppertater Bühnen begteiten Sie gerne zu einer lauten und lästigen Demonstration in die Bundeshauptstadt.
Wir wünschen den Dialog, so wie wir uns auch in den Dialog mit den Menschen in dieser Stadt begeben und sehr viel Unterstützung für unser Anliegen - den Erhalt der Wuppertaler Bühnen in der jetzigen Form und finanziellen Ausstattung- bekommen.

Eine schöne Bescherung !

(Die Unterzeichnenden)"